Studium, Ausbildung oder duales Studium? Eine Entscheidungshilfe

Wenn Du die Frage „Und was machst Du nach dem Abi?“ schon nicht mehr hören kannst, dann geht es Dir wie den meisten angehenden Abiturienten. Manchen fällt die Antwort leicht. Beispielsweise, wenn es schon konkrete Pläne gibt. Eine Auszeit als Au-Pair nehmen, ein freiwilliges soziales Jahr, mit ‚Work and Travel‘ die Welt bereisen... Manche möchten vielleicht auch gleich im Lernrhythmus bleiben und das Wunschstudium beginnen oder mit einer Ausbildung in die Arbeitswelt eintauchen.

Bei anderen hingegen stehen noch keine Pläne im Raum. Etwas hilflos schaut man in die Zukunft, hört sich die Ideen der Freunde und Mitschüler an und muss sich immer wieder die gleiche, nervige Frage von Verwandten und Bekannten stellen lassen. Es gibt einfach so vielfältige Möglichkeiten, die Zeit nach dem Abi zu verbringen, dass einem manchmal der Kopf raucht.

Falls Du Dich zwischen Studium, einer Ausbildung oder einem dualen Studium nicht entscheiden kannst, möchten wir Dir im Folgenden helfen, Klarheit über die verschiedenen Vor- und Nachteile dieser Ausbildungswege zu gewinnen und so möglicherweise eine Antwort auf DIE Frage schlechthin zu bekommen.


Studium - Pro und Contra

Studenten lernen zusammen im Gras
Ein Studium bietet viel Freiheit und Selbstverantwortung.

Wenn Du Dich für ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule entscheidest, hast Du die Möglichkeit, einen europaweiten, international anerkannten Abschluss zu bekommen. Dafür musst Du in der Lage sein, eigenständig und selbstverantwortlich zu lernen. Diese Eigenständigkeit bringt zeitliche Flexibilität mit sich. Je nachdem, wie Du mit dem Lernen oder Klausuren und Hausarbeiten schreiben vorankommst, bleibt Dir mehr Zeit, nebenbei zu jobben oder Deine Semesterferien zu genießen. Wenn Du Deinen angestrebten Abschluss dann letztendlich in der Tasche hast, stehen Dir die Türen für eine flexible Karriereplanung offen. Vielleicht hast Du schon während des Studiums Praktika bei verschiedenen Unternehmen absolviert oder durch ein Auslandssemester an Erfahrungen gewonnen? Dein Studium war vielleicht so vielschichtig, dass Du Dich nun in verschiedene Bereiche bewerben kannst? - Spannend ist Dein weiterer Werdegang dann auf jeden Fall.

Sollte Dir das eigenverantwortliche Lernen nicht sehr liegen, ist ein Studium vielleicht nicht die beste Option. Denn obwohl Studenten immer noch nachgesagt wird, sie würden jeden Tag Feiern gehen und auf der faulen Haut liegen, so hat sich dies spätestens seit der Einführung des Bachelor-Abschlusses stark geändert und ein Studium kann je nach Studienfach sehr zeitintensiv sein. Manche Studenten haben einen so straffen Lernplan, dass beispielsweise ein Nebenjob einfach nicht machbar ist. Da Du in dem Fall kein festes Einkommen hast und die Mieten und Lebenshaltungskosten vor allem in den größeren Städten teilweise horrend sind, solltest Du Dir bei der Wahl eines Studiums Gedanken über die Finanzierung machen. Kannst Du Bafög beziehen, können Deine Eltern Dich unterstützen oder schaffst Du es, von Ersparnissen und Nebenjobs zu leben?

Vorteile eines Studiums

  • Selbstverantwortlichkeit und zeitliche Flexibilität
  • International anerkannter Abschluss
  • In vielen Studiengängen stehen dir viele Optionen offen
  • Studentenleben!!
  • Viel Zeit für Praktika und Auslandsaufenthalte in Semesterferien und Urlaubssemestern

Nachteile eines Studiums

  • Selbstverantwortlichkeit kann auch in Selbstsabotage enden
  • Kein festes Einkommen
  • Die Frage "Was machst du nach dem Abi?" wird zu "Was machst du nach dem Studium?"

Ausbildung - Pro und Contra

Auszubildender bekommt etwas erklärt.
Eine Ausbildung bietet den direkten Berufseinstieg. Man kann direkt "anpacken".

Wenn Dir stures Bücherwälzen nicht liegt und Du lieber handfest agieren möchtest, wäre eine berufliche Ausbildung vielleicht das Richtige für Dich. Als Abiturient hast Du sogar die Chance, diese zu verkürzen. Du erlernst einen Beruf in einem Betrieb und schaffst somit einen schnellen Berufseinstieg. Zwar musst Du in der Regel auch eine Berufsschule besuchen, der Schwerpunkt liegt jedoch in der praktischen Ausführung von definierten Tätigkeiten und Aufgaben. Ab dem ersten Tag Deiner Ausbildung wird Deine Arbeit vergütet- okay, zugegeben fällt das Gehalt vor allem zu Beginn der Ausbildung kleiner aus, aber Du bist immer noch finanziell unabhängiger als ein Student. Vielleicht siehst Du Dich nach deiner abgeschlossenen Ausbildung auch noch nicht am Ende Deiner Bildungsreise? Eine Ausbildung bildet in dem Falle eine gute Ergänzung zum Studium. Schreibe Dich an einer Uni ein und ergänze die praktischen Inhalte der Ausbildung mit theoretischen Inhalten von Hochschulen.

Neben dem bereits erwähnten geringen Einstiegsgehalt bringt eine berufliche Ausbildung noch weitere Nachteile mit sich. Im Gegensatz zum Studium findest Du hier eher eingeschränkte Zeitplanung, Flexibilität und Aufgabenbereiche. Da Du, abgesehen von dem Unterricht in der Berufsschule, in Vollzeit arbeitest, steht Dir auch nur die vorgeschriebene Anzahl an Urlaubstagen zu. Dein Fachwissen ist auf die erlernten Inhalte während der Ausbildung begrenzt und letztlich ist es Dir in der Regel auch nicht möglich, zum Beispiel mittels Praktika in anderen Betrieben oder Auslandsaufenthalten, weitere Eindrücke in Bezug auf Deinen angestrebten Beruf zu gewinnen.

 Vorteile einer Ausbildung

  • Schneller Berufseinstieg
  • Direkt Geld in der Tasche
  • In der Regel einfacher als ein Studium

Nachteile einer Ausbildung

  •  Geringes Einstiegsgehalt bei vollem Arbeitseinsatz
  • Zeitlich nicht flexibel
  • Engerer Horizont, da Praktika und Auslandsaufenthalte in der Regel ausfallen
  • Weniger Optionen für die Berufswahl nach der Ausbildung

Duales Studium. Der Königsweg?

Studentin lernt in schicker Wohnung
Ein duales Studium ist intensiv. Dafür bekommt man einen Hochschulabschluss und schon während des Studiums ein nettes Gehalt.

Wenn Du nun der Meinung bist, ein Mix aus Ausbildung und Studium wäre genau das Richtige für Dich, solltest Du mal über ein duales Studium nachdenken. Es verbindet ein Hochschulstudium mit festen Praxisblöcken in einem Unternehmen. So werden Dir Praxis und Theorie nahegebracht- in gleichem Zug erhältst Du auch 2 Abschlüsse: Einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und einen Abschluss in einem Ausbildungsberuf. Dafür musst Du einen festen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen abschließen. Natürlich wird die Arbeit in dem Unternehmen dann, wie auch in einer normalen Ausbildung, vergütet. Zudem hast Du mit einem dualen Studium häufig die Möglichkeit, dass Dein Unternehmen Dich letztendlich nach Ausbildungsabschluss übernimmt und Dir so ein fester Job sicher ist.

Andererseits bist Du vertraglich auf ein Unternehmen festgelegt und hast normalerweise keine Möglichkeit, Praktika in anderen Firmen oder Bereichen durchzuführen oder einen längeren Auslandsaufenthalt im Rahmen der Ausbildung zu planen. Neben dieser eingeschränkten Flexibilität in der weiteren Karrierelaufbahn geht ein duales Studium auch mit einer eingeschränkten Zeitplanung einher. Wie Du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, kann es sehr zeitintensiv sein, ein Studium und eine Ausbildung gleichzeitig zu absolvieren.

Letztendlich ist die Entscheidung zwischen Studium, dualem Studium und Ausbildung also von verschiedenen Standpunkten aus zu betrachten. Stelle Dir die Fragen: Bin ich eher der theoretische oder der praktische Lerntyp? Bei welcher Ausbildungsart kann ich meine Interessen am besten einbringen, fördern und stärken? Welche Möglichkeiten habe ich, meinen Ausbildungsweg zu finanzieren? Welche berufliche Laufbahn strebe ich an? Und nebst all dieser Bewertungskriterien, die wohl wichtigsten Fragen: Was bringt mir am meisten Spaß und was macht mich glücklich?

Vorteile eines dualen Studiums

  • Recht annehmbares Gehalt
  • Direkte Praxiserfahrung
  • Karriereeinstieg nach dem Studium ist meist gesichert

Nachteile eines dualen Studiums

  • Meist vertragliche Bindung an das Unternehmen
  • Hoher Leistungsdruck
  • Zeit- und arbeitsintensiv