Lernhilfen: 5 Mnemotechniken für das Abitur

In der Oberstufe angekommen, hast Du meist nur noch ein Ziel vor Augen: Das Abi bestmöglich zu bestehen! Du steckst in den Vorbereitungen auf die Prüfungen, hast Dir Lernstoff-Übersichten angefertigt und alle relevanten Materialien rausgesucht. Jetzt sitzt Du vor einem mit Büchern und Ordnern vollgepackten Schreibtisch und musst nur noch einen Weg finden, die ganzen Informationen irgendwie in den Kopf zu bekommen. Um dies zu meistern, kannst Du Dich verschiedener Lerntechniken bedienen.

Unten stellen wir Dir die wichtigsten 5 Lerntechniken vor.

Lernhilfen für's Abitur

Sogenannte Mnemotechniken helfen Dir, neue Inhalte schnell zu erschließen, zu verstehen und zu merken. Es handelt sich um Techniken, die dem Gedächtnistraining unter Verbesserung des Speicherns von Fakten im Langzeitgedächtnis dienen. Dies erfolgt mittels Eselsbrücken, Merksätzen, Schemen Grafiken oder auch komplexe Systeme, mit denen man sich dann an Listen, Zahlenabfolgen oder sogar ganze Bücher erinnern kann.

Die wohl einfachste Mnemotechnik lernt man meist schon in der Grundschule. Um sich die Himmelsrichtungen einzuprägen, gibt es verschiedene Merksätze, wie zum Beispiel „Nie ohne Schuhe wandern“ oder „Nie ohne Seife waschen“. Dabei stehen die Anfangsbuchstaben für je eine Himmelsrichtung, angefangen im Norden und im Uhrzeigersinn, im Westen endend.

Beispiel Mnemotechnik - Gedaechtnispalast - denkreich.comUmso anschaulicher und lebendiger man sich komplexe Zusammenhänge als anschauliche Bilder vorstellt, umso leichter fällt einem das Auswendiglernen. Bei diesen Methoden bedarf es anfangs, wie bei fast allem Unbekannten, etwas Übung. Doch die Investition an Zeit und Energie sollte sich schon bald rentieren und Deine Lerneinheiten werden effektiver. Wir stellen Dir daher im Folgenden 5 verschiedene Mnemotechniken vor - probier‘ sie doch mal aus!

 

1. Gedächtnispalast

Wenn du kreativ bist und eine gute Vorstellungskraft besitzt, ist die Gedächtnispalast-Methode vielleicht etwas für Dich.

Hier baust Du Dir - gedanklich – ein Gebäude aus den zu lernenden Informationen. Die Zwischenüberschriften eines Themas bilden das Fundament dieses Gebäudes. Hierauf baust Du nun tragende Säulen, das heißt die wichtigsten Kernfakten. Die Details dieser Kernfakten bilden das Dach deines Gebäudes. Zeichne dir dein Gebäude auf und versuche es zu verinnerlichen.

Wenn Du den Inhalt in der Abiklausur abrufen musst, stellst Du Dir vor Deinem Inneren Auge den Palast wieder vor und schon sollte Dir der Lernstoff wieder in den Kopf kommen.

Durch die örtliche Struktur und Anordnung Deines Palasts kannst du die Inhalte nämlich in logischer Reihenfolge erschließen.

  •  Bilde einen Palast (Thema) mittels Fundament (Zwischenüberschriften), Säulen (Kernfakten) und einem Dach (Details der Kernfakten)
  • Verinnerliche deinen Palast
  • Errichte den Palast in der Klausur und erschließe die Anordnung

Gut geeignet für in sich geschlossene Thematiken, Hierarchien oder Reihenfolgen (Wirtschaft, Politik, Geschichte, Naturwissenschaften)

Mehr dazu: Ein fantastisches Beispiel für einen Gedächtnispalast zum Ersten Weltkrieg findest du bei Ulrich Bien.

 

2. SQR3

Schritt 1: Die SQR3-Methode ist ein effektiver Weg, um sich komplexe, wissenschaftliche Inhalte zu erarbeiten. Zu allererst liest Du lediglich das Inhaltsverzeichnis und die Überschriften des Textes, um Dir so einen Überblick („Survey“) zu verschaffen.

Schritt 2: Danach stellst Du Überlegungen darüber an, wovon der Text handeln könnte und notierst Dir alle Fragen („Question“), die das Thema in Dir aufwerfen und anregen. So setzt Du Dich schon vorab, als eine Art Aufwärmtraining, mit dem Thema auseinander.

Schritt 3: Nun liest Du den Text gründlich („Read“) und arbeitest ihn mittels Textmarker und Kommentaren durch. Bilde zu dem Zeitpunkt auch schon Absätze im Text, diese fasst Du nämlich im vierten Schritt zusammen („Recite“). Zum Abschluss gibst Du den Inhalt des gesamten Text mittels Deiner fleißigen Vorarbeit wieder („Review“).

Bei diesem Prozess wird das erfasste Wissen gut im Gedächtnis gespeichert, die lange Auseinandersetzung mit dem Inhalt führt zu einer Verankerung im Gehirn. Auch wenn die Methode sehr zeitintensiv wirkt, hat die Einhaltung dieser Abfolge eine wirklich hohe Effizienz auf Deine Lerneinheiten.

  • Survey - Überblick verschaffen
  • Question - Fragen zum Thema
  • Read - Gründliches Lesen und Durcharbeiten
  • Recite - Textabsätze zusammenfassen
  • Review - Artikelinhalt wiedergeben

> Gut geeignet für die Bearbeitung von Artikeln aus Fachzeitschriften (Naturwissenschaften) oder dem Herstellen von Zusammenfassungen (Literatur, Sprachen, Geisteswissenschaften)

 

3. Lernen mit Listen und Karteikarten

Solltest Du eher als visueller Lerntyp effektiv lernen können, bist Du mit Listen wahrscheinlich besser bedient, als mit kreativen Techniken. Die zu lernenden Informationen lassen sich durch Listen mit unterschiedlichen Ebenen einfach und klar strukturieren. Diese Strukturen lassen sich durch die klare Ordnung leicht vom Gehirn aufnehmen und verfestigen sich im Gedächtnis.

Die Methode der Karteikarten ist Dir sicherlich schon bekannt. Bei dem Klassiker unter den Lernmethoden notierst Du einen Begriff auf der Vorderseite und die Erklärung dazu auf der Rückseite. Dabei kann es sich um Vokabeln, Definitionen oder ganz Fragestellungen handeln. In einem Karteikasten kannst Du dann verschiedene Abschnitte unterteilen.

In den ersten Abschnitt kommen alle Karten, deren Antworten du noch lernen musst. In den zweiten Abschnitt die Karten, bei denen Du dir unsicher bist. Diese schaust Du Dir dann zum Beispiel alle vier Tage an. Die Karteikarten im letzten Abschnitt wiederholst du alle zwei Wochen. Durch die regelmäßige Wiederholung solltest Du den Stoff schon bald beherrschen. Mittlerweile gibt es auch schon Softwarelösungen, die diese Lernart unterstützen.

  • Listen verdeutlichen und strukturieren Ordnungen und Ebenen
  • Karteikarten und Karteikästen sorgen für stetige Wiederholung und Präsenz von Definitionen und Vokabeln

> Gut geeignet für das Lernen von klaren Definitionen und Vokabeln (Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften)

 

4. Loci-Methode

Bei der Loci-Methode handelt es sich um eine der bekanntesten Mnemotechniken. Ihre Wurzeln gehen auf das antike Griechenland zurück. „Loci“ ist abgeleitet vom lateinischen locus und bedeutet „Platz“ oder „Ort“. Die Methode verhilft, Lerninhalte geordnet zu encodieren und basiert auf der Verknüpfung von Gegenständen und Orten mit Lerninhalten.

Für jeden zu lernenden Begriff wird im Gedächtnis ein Platz reserviert, der als Variable gilt und mit verschiedenen Inhalten belegt werden kann. Diese Variablen liegen in einer genauen, fixen Struktur vor, so dass es bei einer Wiedergabe möglich ist, die genaue Reihenfolge der Variablen wiederzugeben.

Bei dieser fixen Struktur kann es sich um einen bekannten Fußweg, wie zum Beispiel den zur S-Bahn, oder einen Raum handeln, in dem Du Dich geistig bewegst. Die Variablen oder Platzhalter sind also Gegenstände auf deinem Weg oder in Deinem Raum. An diese Plätze „legst“ Du die zu lernenden Begriffe ab. Natürlich in der Reihenfolge, in der Du die Lernbegriffe später abrufen musst.

  • Notiere den Lernstoff auf einem Merkzettel
  • Begebe Dich mental auf einen bestimmten Spaziergang und halte an konkreten Orten innerlich an. Hier merkst Du Dir konkrete Abschnitte Deines Merkzettels und verinnerlichst sie.
  • Notiere zudem auf dem Merkzettel, an welchem Ort Du den Lernstoffabschnitt „abgelegt“ hast
  • Wiederhole den geistlichen Spaziergang, bis Du den Stoff des Merkzettels beherrscht
  • In der Abiprüfung begibst Du Dich dann wieder auf den Spaziergang und kannst den Lernstoff leicht aufführen.

> Gut geeignet für das Einprägen von Versuchsabläufen oder Reihenfolgen (Chemie, Physik, Biologie)

 

5. Visualisierung

Wenn Du ein kreativer und fantasievoller Mensch bist, solltest Du am besten auch zu einer ebensolchen Lernmethode greifen, um das Beste aus Dir raus zu holen. Für das Darstellen und Begreifen von Thematiken kannst Du zum Beispiel auf Organigramme, Mind-Maps oder Zeitstrahlen zurückgreifen- bestimmt hast Du diese Techniken schon einmal ausprobiert.

Zeichne Dir die Inhalte übersichtlich und in Ruhe auf Papier auf, markiere verschiedene Aspekte mit unterschiedlichen Farben oder gestalte sogar ein Poster. Dies kannst Du Dir an gut sichtbarer Stelle zum Beispiel in Dein Zimmer oder neben den Badezimmerspiegel hängen.

Durch das strukturierte Anfertigen und die ständige Präsenz vor deinen Augen bleiben Dir die Inhalte immer vor Augen und lassen sich leicht verinnerlichen. Einziger Nachteil dieser Methode ist, dass die Darstellungen mit der Komplexität des Themas immer unübersichtlicher werden.

  • Gestalte Organigramme, Mind-Maps, Zeitstrahle
  • Nutze Lernposter, um den Lernstoff stets vor Augen zu haben und zu verinnerlichen

> Gut geeignet für das Lernen von Hierarchien, Strukturen, Ereignisabfolgen (Geschichte, Wirtschaft, Politik)


 

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