Was tun bei Lernschwierigkeiten – 4 einfache Tipps

Wir allen kennen diese Tage: nichts will so richtig in den Kopf, jedes Geräusch lenkt uns ab und irgendwie finden wir keine Ruhe zum Lernen. Ein ganz normaler Moment im Leben eines Menschen. Denn unsere psychische und körperliche Leistungsfähigkeit schwankt von Tag zu Tag, gelegentlich von Stunde zu Stunde. Mit unseren vier Tipps seid ihr bald voll konzentriert!

Studentin mit Lernschwierigkeiten in der Unibibliothek

1. Einfach mal abschalten

Werden Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten jedoch zum Dauerphänomen, so leidet nicht nur das Studium, sondern der Mensch als Ganzes. Aber was steckt hinter diesen Symptomen?

Unruhe, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten sind ein ganzes Stück weit Zeichen unserer Zeit. Das gemütliche Zeitunglesen am Morgen wird ersetzt durch das flüchtige Lesen am Bildschirm, Informationen werden nur bedarfsweise im Internet abgerufen und die Fülle an verfügbaren Informationen überfordert den Suchenden nicht selten. Zudem sind wir dank Laptop, Smartphone und Tablet immer und überall erreichbar. Erreichbar und empfänglich für die überflüssigsten Informationen, die uns per Messenger oder SMS erreichen.

In dieser ersten Problembeschreibung findet sich zugleich der erste Lösungsansatz: abschalten! Wer liest oder lernt, sollte es sich zu Hause nicht nur bequem machen, sondern auch unerreichbar sein. Smartphone, Facebook, Türklingel – beim Lernen sollten diese Dinge nicht existieren.

2. Richtige Ernährung für anhaltende Konzentration

Ein weiterer und nicht unwesentlicher Faktor ist die Ernährung. Üppige Mahlzeiten vor dem Lernen machen träge und müde. Das ist zwar nichts Neues, aber häufig denken wir nicht darüber nach. Ein Salat und ein Eiweißshake zum Mittag beeinflussen die Konzentration kaum, die Tiefkühlpizza hingegen kann uns für längere Zeit außer Gefecht setzen. Wichtig ist aber auch, was wir trinken! Kaffee und koffeinhaltige Getränke sind beim Lernen beliebt, scheinen sie doch einen Teil der Probleme zu beseitigen. Was eine Wirkung hat, hat in aller Regel aber auch Nebenwirkungen. Ein paar Tassen Kaffee bringen Körper und Geist zwar schnell auf Hochtouren, der Absturz folgt aber schon nach kurzer Zeit und all zu oft macht uns Kaffee nervös und ablenkbar. Gleiches gilt für Energy-Drinks.

Eine bekömmliche Alternative sind grüner und schwarzer Tee und Energydrinks, die Guarana-Extrakte enthalten. Die wirksame Substanz ist auch in diesen Fällen Koffein. Jedoch ist das Koffein in Tee- und Guarana-Getränken an Bitterstoffe gebunden, die dazu führen, dass das Koffein langsam aufgenommen und genau so langsam wieder abgebaut wird. Die Folge ist eine gleichmäßige Wirkung über einen längeren Zeitraum und zumeist das Ausbleiben von Nervosität und Übererregbarkeit.

Ach ja, fast hätten wir ihn vergessen: den Alkohol. Wer am Samstagabend einen über den Durst trinkt, dessen Konzentration leidet auch am Mittwoch noch unter den Folgen des Alkoholkonsums. Bis zu 14 Tage nach einem Saufgelage kann das Gedächtnis noch unter dem feucht-fröhlichem Abend leiden. Im Gegenzug kann ein kompletter Alkoholverzicht in lernintensiven Zeiten kleine Wunder bewirken!

Daneben existiert eine ganze Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln, die eine bessere Konzentrationsfähigkeit versprechen. Ginkgo, Ginseng, Vitamin B12, Aminosäuren und viele andere. Gesicherte Erkenntnisse über die Wirksamkeit solcher Produkte liegen in den meisten Fällen nicht vor. Gerade Vitamine und Mineralstoffe machen nur dann Sinn, wenn ein tatsächlicher Mangel besteht. On top eingenommen, ist in der Regel nicht mit einer objektiven Wirkung zu rechnen.

Im Zweifel sollte immer der Hausarzt konsultiert werden, da bei chronischen Zuständen das Bestehen einer körperlichen Grunderkrankung abgeklärt werden muss.

3. Konzentration kann man lernen

Mit den beiden ersten Maßnahmen ist das Problem häufig nur zum Teil beseitigt. Viele Menschen haben auch im Zustand der äußeren Ruhe Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Konzentration kann man aber lernen, man kann sie trainieren wie einen Muskel. Dazu sollte man sich zunächst die Frage stellen, ob es tatsächlich die Konzentrationsfähigkeit selbst ist, die geschult werden muss oder ob einfach die nötige Ruhe zum Lernen fehlt. Abhilfe schaffen hier zum einen Konzentrationsübungen, wie man sie in diversen Selbsthilfebüchern findet oder unterschiedliche Entspannungstechniken. Bekannte Beispiele sind das Autogene Training und die Progressive Muskelentspannung. Die Kosten für das Erlernen dieser Techniken werden oft von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Weniger bekannt, aber doch sehr wirksam, ist die Zen-Meditation, genannt Zazen. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass sie Entspannungstechnik und Konzentrationsübung in einem Verfahren vereint. Einführungen in diese Technik werden in allen größeren Städten angeboten, aber auch Bücher, CDs und DVDs für den Einsatz zu Hause können eine geeignete Alternative sein.

Regelmäßige sportliche Aktivität ist auch geeignet, Konzentration und Lernfähigkeit zu verbessern. Gut geeignet sind mäßig belastende Ausdauersportarten wie Walking oder Schwimmen, aber auch sogenannter Gesundheitssport wie Yoga oder Tai Chi.

4. Krankheiten und Medikamente

Zu aller Letzt gibt es aber auch eine ganze Reihe körperlicher Faktoren und Erkrankungen, die bei Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten eine Rolle spielen können. Herz-Kreislauf-Probleme, Schilddrüsen- und Stoffwechselerkrankungen können die kognitive Leistungsfähigkeit genauso beeinflussen, wie psychische Erkrankungen. Bei erheblichen Lernschwierigkeiten sollte daher der Hausarzt der erste Ansprechpartner sein. Dieser kann eine eventuell bestehende Grunderkrankung behandeln oder die Behandlung an einen Spezialisten abgeben.

Der behandelnde Arzt kann auch über den gezielten Einsatz von Psychostimulanzien vom Typ „Ritalin“ entscheiden. Dabei handelt es sich um hochwirksame Arzneimittel, die bei Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten mit hohem Krankheitswert zum Einsatz kommen. Auf keinen Fall sollten solche Arzneimittel aber in Eigenregie eingenommen werden. Zudem können Psychostimulanzien kognitive Beeinträchtigungen nicht heilen, sondern nur zeitweise lindern. Es ist daher sinnvoll, die medikamentöse Behandlung mit lern- bzw. verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zu kombinieren. Auch darüber sollte der Haus- oder Facharzt entscheiden.

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