Karrierechancen in Hotelbranche und Einzelhandel - Besser als man glaubt

Ein Blick in die Tarifverträge des Einzelhandels sowie des Hotel- und Gaststättengewerbes lässt es erahnen: hier wird man nichts. Zumindest nicht beim Gehalt. Die Bezahlung in beiden Branchen ist unterdurchschnittlich, die Arbeitszeiten familien- und freizeitunfreundlich, Akademiker Mangelware. Verständlich und zurecht sollte man meinen.

Abiturientin als Rezeptionistin an der Rezeption eines Hotels, stellt einem Gast Sehenswürdigkeiten in der Umgebung vor.
Umgang mit Menschen: Pflichtfach in der Hotelbranche.

Wer sieht sich nach dem Abitur schon gern im weißen Kittel an der Kasse einer Drogerie sitzen oder für 400 Euro Ausbildungsvergütung Spätdienst in einem Hotel oder Restaurant schieben – seien die Häuser noch so angesagt. Vor allem im Einzelhandel landen doch nur diejenigen, die keinen anderen Ausbildungsplatz bekommen haben.

Viele dieser gängigen Klischees oder Argumente lassen sich nur schwer entkräften. Genau an diesem Punkt kann man den Spieß einmal umdrehen. In den Einzelhandel geht niemand, der Karriere machen möchte. In die Hotellerie geht man aufgrund romantischer Vorstellungen, die sich in der Berufspraxis schnell widerlegen. Und was wenn doch? Was wäre, wenn sich ein Berufsstarter bewusst für eine Karriere im Einzelhandel entscheidet oder am Traum der Hotelkarriere festhält? Wahrscheinlich wäre dieser Berufsstarter außer Konkurrenz. Der Aufstieg würde relativ leicht fallen, Durchhaltewillen vorausgesetzt.

Gerade die Hotelbranche bestätigt diese Theorie. Die Ausbildung ist schlecht bezahlt, die Arbeit hart, auf Hotelmanagement spezialisierte Studiengänge sind rar. Doch wer die Ausbildung beendet, Berufserfahrung sammelt, sich ggf. zum Hotelbetriebswirt weiterbildet, statt in einen besser bezahlten Job umzusteigen, der findet sich überraschend schnell in einer Führungsposition wieder. Auf die anfängliche Durststrecke folgt oft der schnelle Aufstieg ins mittlere Management. Wer von einer Anstellung als Hoteldirektor träumt, der kann auch direkt nach dem BWL-Studium in ein entsprechendes Traineeprogramm einsteigen.

Junger Mann Mitte 20 hält stehend eine freie Präsentation in stylischem Konferenzraum mit großen Fenstern im Hintergrund.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Aber wer sich als Abiturient im Einzelhandel oder der Hotellerie erst einmal behauptet hat, kann anschließend schnell aufsteigen.

Und wie sieht es im Einzelhandel aus? Was in der Hotelbranche langsam zu Ende geht, ist im Handel immer noch die Regel: Learning on the Job. Karrieren bis in die höchste Führungsebene verlaufen weiterhin über Berufsausbildung, Weiterbildung und Berufserfahrung. Trotzdem existieren inzwischen Ausbildungsberufe speziell für Abiturienten, beispielsweise die Ausbildung zum Handelsassistenten. Auch duale Bachelorstudiengänge werden mittlerweile angeboten. Die Zukunft eines Akademikers im Handel liegt tendenziell aber eher in der Gebiets- als in der Geschäftsstellenleitung. Auch im Einkauf und in der Verwaltung können sich Karrierechancen ergeben.

Für beide Branchen scheint aber eines nötig zu sein: eine gehörige Portion Idealismus. Dieser kann sich jedoch schneller bezahlt machen, als man auf den ersten Blick glaubt. Einen gut überlegten Versuch kann es auf jeden Fall wert sein!