Auslandssemester in Florida - die ganz große Freiheit

Haus mit Palmen und weißem Auto in der Auffahrt.
Das Haus meiner Gastfamilie

Einen großen Teil meines BWL-Studiums hatte ich berufsbegleitend absolviert. Durchaus mit gutem Erfolg und Abschluss. Das, was man gemeinhin und vielleicht mit einer Prise Romantik „Studentenleben“ nennt, war jedoch an mir vorbeigegangen. Deshalb sollte es nun die ganz große Freiheit sein, die mich ruft. Kurzum entschloss ich mich zu einem Auslandssemester im Sunshine-State Florida. Die Idee kam nicht zufällig, hatte ich doch schon zu Abiturzeiten an einem Schüleraustausch in Fort Lauderdale teilgenommen. Als die Entscheidung gefallen war, ging alles ziemlich schnell. Ein Telefonat mit der Gastfamilie, E-Mail-Verkehr mit der Sprachschule, Kündigung meines Arbeitsvertrags, Abschluss einer Auslandskrankenversicherung und noch so einige Dinge, die man zu beachten hat. Das war im Spätsommer. Schon im Februar des Folgejahres saß ich im Flugzeug mit dem Ziel Miami. Wahnsinn!

Den Ablauf am Flughafen kannte ich schon genau. Raus aus der Maschine, langes Waren am Imigration-Schalter, Gepäck durch den Zoll bringen usw. Dann so schnell wie möglich zur Autovermietung – ich hatte mir einen Jeep für die erste Woche gegönnt – und direkt vom Flughafen auf die 95 in Richtung Fort Lauderdale.

Bei Einbruch der Dunkelheit, offenem Fenster und immerhin noch gut 26 Grad Außentemperatur ging es auf der sechsspurigen Autobahn direkt in die alte, neue Heimat. Angekommen bei meiner Gastfamilie und in „meinem“ Zimmer konnte ich es immer noch nicht so richtig fassen. Ich war tatsächlich hier. In den USA. Im Sunshine-State. Mein Zuhause für die kommenden fünf Monate.

Sprachschulcampus mit Pool im Zentrum, Palmen und blauem Himmel
Der Sprachschulcampus mit Pool kann sich sehen lassen

Was in den folgenden Wochen passierte, hatte nur sehr wenig mit dem zu tun, was man in einem Auslandssemester vielleicht erwartet. Ich hatte mich nicht an einer Hochschule eingeschrieben, sondern beim Florida Language Center. Hier war ich bereits als Schüler und belegte Kurse wie Business English und andere. Meine Kurse fanden immer nur an vier Tagen pro Woche statt und zwischen den Kursen habe ich immer eine Pause von ein bis zwei Wochen eingelegt. In der Zwischenzeit tat ich dass, was ich hier wirklich wollte: leben! Leben mit und wie die Menschen hier. Ins Sportstudio gehen, Freunde besuchen, Einkaufen, Kochen, Football-Spiele ansehen.

Strand mit vereinzelten Palmen, weißem Sand und kleinem weißen Aussichtsturm für Rettungsschwimmer
Der Strand von Fort Lauderdale

So verstrichen die Tage und Wochen. Und ich konnte nicht genug bekommen von dem Leben, das ich mir hier eingerichtet hatte. Allein die Tatsache, dass jeden Montag eine neue Gruppe Sprachschüler anreiste, machten den Aufenthalt zu einer lohnenden Erfahrung. Über den ganzen Globus sind die Länder vereilt, in den ich nun neue Freund und Bekanntschaften hatte: Kolumbien, Japan, Korea, Israel, Lichtenstein, die Schweiz, Italien, Belgien, Frankreich und noch einige mehr. Die allermeisten reisten allein an und viele blieben über einen längeren Zeitraum. Eine optimale Basis für neue Freundschaften und kulturellen Austausch aller erster Güte!

Irgendwann geht auch die schönste Zeit einmal zu Ende. Und nicht nur die Zeit, sondern auch das angesparte Geld ging langsam zur Neige. Im Sommer ging es schließlich zurück in die Heimat und schnell gewöhnte ich mich wieder an das Leben in Good Old Germany. Noch heute denke ich mit Wehmut, aber auch mit Optimismus an diese Zeit zurück. Denn sie hat mich verändert, mein Leben und meinen Charakter dauerhaft geprägt. Jede Minute und jeder Cent war es wert!

- Claas Michelsen