3 Monate in Indien - Ein Land mit tausend Gesichtern

Schon immer interessierte mich das Land der tausend Gesichter: Indien! Die meisten rieten mir von einer Reise dorthin ab, weil Indien für Frauen zu gefährlich sei. Doch ich entschied entgegen allen Rat, mit einer Freundin dorthin  reisen.

Varanasi Flussufer in Indien bei Sonnenuntergang.

Bild: Varanasi in Indien, yuliang11.

Anfang September machten wir uns für drei Monate auf in eines der wohl größten Abenteuer unserer Leben. Am Flughafen von Delhi wurden wir fast erschlagen von feuchten 38 Grad Celsius, und die Taxifahrer rissen sich darum, wer uns zum Hotel fahren durfte. Erst nach knapp zwei Wochen hatten wir uns an die Hitze und das ständige „Angestarrtwerden“ gewöhnt. Entsprechend waren wir am Anfang noch sehr skeptisch, gegenüber allen Indern und vor allem gegenüber dem Essen. Doch die Skepsis schwand nach kurzer Zeit. Wir handelten gerne und mit Freude mit jedem Verkäufer, um nicht den 200-fachen Preis zu bezahlen, und kauften Essen – direkt zubereitet auf der Straße.

Harte Gegensätze

Wir reisten sechs Wochen lang durch den Norden von Indien und fuhren dann in einer 30-stündigen Zugfahrt in den Süden, um dort die restlichen sechs Wochen zu verbringen. Insgesamt ist die Kultur sehr spannend, aber teilweise für uns Deutsche auch immer wieder schwer zu verstehen. Der Hinduismus ist die größte Religion in Indien und das dazugehörige Kastensystem ist immer noch sehr stark vertreten, obwohl der Staat versucht, es zu beseitigen, um eine einheitliche Gesellschaft zu formen. So erlebten wir Reichtum, der direkt neben Slums und verstümmelten Bettlern existierte. Kranke Hunde und Katzen waren überall zu sehen und die Straßen waren voll mit Kühen. Wir haben uns die ganze Zeit relativ sicher gefühlt, aber auch, weil wir hauptsächlich in Touristengebieten unterwegs waren. Trotzdem war es sehr unangenehm, wenn indische Männer ungeniert Fotos von uns machten, ohne dass sie vorher fragten.

Indien ist ein spannendes Land,  in dem man viele schöne Dinge erleben und unternehmen kann. Doch man sollte sich vorher mit dem Land vertraut machen, damit man darauf eingestellt ist, was einen erwartet. Es war eine schöne und spannende Reise, aber auch eine sehr anstrengende, weil wir uns als Frauen überall behaupten mussten und viele Inder versuchten, uns übers Ohr zu hauen. Nach drei Monaten war ich dann froh, erst einmal wieder nach Hause zu fahren, um zu verarbeiten, was ich alles erlebt hatte. Jedoch würde ich jetzt, nachdem ich seit knapp fünf Monaten wieder zu Hause bin, gerne wieder hinreisen, jedoch für eine kürzere Zeit. Denn obwohl ich am Ende von den Indern genervt war, mag ich dieses sehr bunte Land und mit seiner ganz eigenen Kultur sehr. Es ist – wie schon gesagt – eben ein Land mit tausend Gesichtern!

- Stina Kühn-Thomä